27.06.2018

Verbandstag in Ludwigsburg: Gemeinsame Ziele – gemeinsames Handeln

EU-Kommissar Günther Oettinger appellierte an die SHK-Unternehmer, sich als "Elite" der Spaltung Europas entgegen zu stemmen.

"Die Energiewende muss für die Verbraucher finanzierbar sein. Akzeotanz schaffen wir mit technologieoffenen und ideologiefreien Ansätzen."

Das limbische System im Gehirn des Menschen ist zuständig für Entscheidungen, erklärte Küstenmacher, wohingegen der Neokortex für das vernunftgesteuerte Denken steht.

"Limbi" zu Gast beim Fachverband

Im Rahmen der Öffentlichen Mitgliederversammlung wurden zwei Landessieger des Praktischen Leistungswettbewerb als „Paradebeispiele“ für den äußerst leistungsstarken Berufsnachwuchs ausgezeichnet: Anlagenmechaniker Cihan Ulug aus Talheim und Klempner Kevin Zeman aus Mutlangen erhielten vom Fachverband-Vorsitzenden Joachim Butz (re.) und Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker (li.) Urkunden und Geldpreise

Der Philosoph Friedrich Engels hat einmal formuliert: „Wo es keine Gemeinsamkeit der Interessen gibt, da kann es auch keine Gemeinsamkeit der Ziele, geschweige des Handelns geben.“ Die Teilnehmer des Verbandstages am 15./16. Juni in Ludwigsburg haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie gemeinsame Interessen haben, gemeinsam Ziele anpacken wollen und auch gemeinsam handeln, um eine zukunftsfähige Berufsorganisation zu gestalten.

Dass dies angesichts der Einflüsse von außen sehr wichtig ist, betonte auch EU-Kommissar Günther Oettinger. In seinem Impulsvortrag im Rahmen der Öffentlichen Mitgliederversammlung appellierte er an das SHK-Handwerk, seinen „exzellenten Sachverstand“ zu nutzen, um als „Gesamt-Gebäude-Dienstleister“ nah am Kunden zu bleiben. Es gelte, gemeinsam zu verhindern, dass das Handwerk sich zum Subunternehmer multinationaler Konzerne machen lasse. Denn, wer die Daten habe, insbesondere die von Gebäuden und dessen Bewohnern, der habe auch die Macht. „Von allen Handwerkern sind Sie Hightech schlechthin“, lobte Oettinger, „Sie garantieren Wärme und Sicherheit.“ Gleichzeitig appellierte der EU-Kommissar an die Unternehmer, sich für den europäischen Gedanken stark zu machen. Derzeit bestehe ein Kampf der Systeme und das europäische Projekt sei in „Lebensgefahr“. „Wenn wir unsere Werteordnung mit einem liberalen Gesellschaftsbild, der sozialen Marktwirtschaft und unserer parlamentarischen Demokratie erhalten wollen, müssen wir dafür kämpfen.“ Und dies sei nur mit Ehrgeiz und in einem starken, gemeinsamen europäischen Team möglich.

Energiewende gemeinsam mit den Bürgern

Zuvor hatte bereits der Fachverband-Vorsitzende Joachim Butz gemeinsame Anstrengungen gefordert, wenn es um das Erreichen der Klimaschutzziele und die Realisierung der Energiewende geht: „Die Energiewende gelingt nur, wenn wir die Menschen mitnehmen.“ Dies lasse sich nur bewerkstelligen, wenn die Maßnahmen für Verbraucher finanzierbar sind. Akzeptanz schaffen technologieoffene und ideologiefreie Ansätze. Auch Impulse der Politik, wie attraktive Förderungen und die steuerliche Absetzbarkeit energetischer Sanierungsmaßnahmen, seien zur erforderlichen Verdoppelung der Sanierungsrate dringend vonnöten. Äußerst kritisch sehe der Verband daher sowohl den geplanten Förderstopp für die Brennwerttechnik als auch die Tatsache, dass die steuerliche Förderung energetischer Sanierungsmaßnahmen im Haushaltsentwurf nicht enthalten ist. „Die Aufgabe der Politik, der Verwaltung, der Hersteller, des Handels und des Handwerks muss doch lauten, die Rahmenbedingungen gemeinsam so zu gestalten, dass wir flexibel mit allen bestehenden und zukünftigen Technologien agieren und reagieren können“, konstatierte Butz, und forderte eine technologieoffene Umgestaltung der Energiewende mit sanften Übergängen, aber klaren Zielvorgaben.

Entschieden wandte sich der Fachverband-Vorsitzende gegen die aktuelle Diskussion, das SHK-Handwerk sei verantwortlich für Engpässe. „Bei Auftragsreichweiten von etwas mehr als acht Wochen kann ich über solche Vorwürfe nur den Kopf schütteln“, so Butz, „in vielen Regionen warten die Menschen deutlich länger auf einen Arzttermin als auf einen Handwerker.“

Butz sprach sich außerdem für mehr Bürokratieabbau aus. Ob bei den De-minimis-Beihilfen für Beratungsleistungen, bei der Datenschutzgrundverordnung, bei den Luftqualitätsverordnungen in Städten mit Feinstaubproblemen, ob beim Wasserhaushaltsgesetz, der Tachografenpflicht oder den Schwellenwerten für Existenzgründer – die SHK-Unternehmer hätten immer häufiger mit wahren „Bürokratiemonstern“ zu kämpfen, statt sich um ihr Kerngeschäft kümmern zu können.

Vereinfachung als Lebensmotto

Von der Bürokratie über die Technik bis hin zu undurchschaubaren Mechanismen der Weltwirtschaft – viele Menschen kommen mit der zunehmenden Komplexität des Lebens nicht mehr klar. Einer, der sich die Vereinfachung zum Lebensmotto gemacht hat, ist der Bestsellerautor Werner Tiki Küstenmacher. Seine Botschaft als Festredner bei der Öffentlichen Mitgliederversammlung lautete: Der Schlüssel zu einem einfacheren, glücklicheren Leben steckt in unserem Gehirn, im limbischen System, einprägsam von Küstenmacher als „Limbi“ tituliert.

„Limbi“ als emotionales Gehirn lasse sich nicht „überlisten“. Will man Ziele, wie beispielsweise „ein aufgeräumter Schreibtisch“, erreichen, ist es besser, „mit Limbi zu kooperieren“, so Küstenmacher. Unterstützt durch teils live gezeichneten Karikaturen appellierte Küstenmacher an die Zuhörer, das kühl analytische Großhirn immer hinzuzuziehen, wenn sie das Gefühl hätten, negativ beeinflusst zu werden. „Ob Sie jemand mit Kriminalitätsstatistiken beängstigt oder die Digitalisierung und deren Konsequenzen Ihnen Sorge bereiten: lassen Sie sich nicht verrückt machen.“ Der Masterplan im Umgang mit dem eigenen „Limbi“ laute: „Schau auf die Lösung und nicht auf das Problem.“